entertained³
Man sollte einem Comedian genau zuhören. Michael Mittermeiers grandioses „Zapped“ beginnt wie ein Edgar-Wallace-Film: Schüsse, psychedelische Musik, die Stimme, die verheißungsvoll verkündet „Hier spricht Edgar Wallace“. Der sympathische Bayer spricht Klaus Kinskis Rolle in „Neues vom Hexer“ an (und nicht etwa in „Der Hexer“, was später noch wichtig werden sollte), in der er auf seine unverwechselbare Art und Weise den Satz „Noch einen Wunsch, Mylady?“ zum Besten gibt (Wer es nicht kennt, sollte bei YouTube danach suchen – dort gibt’s das bestimmt, wie sonst alles aus der Welt der Medien.). Das wollte ich schon lange mal im Original von Kinski selbst hören, auch wenn Mittermeier das seinerseits perfekt nachzuahmen weiß.
Mein letzter Genuss von “Zapped“ war nun eine kleine Ewigkeit her und so folgte ich der falschen Annahme, dass Mittermeier über den Film „Der Hexer“ gesprochen hatte. Neulich kam der Film im Fernsehen und ich nahm ihn auf, weil mich Werbung nervt, wenn ich sie nicht vorspulen kann. Gestern war es dann so weit und ich sah mir „Der Hexer“ an, wartete auf Kinski und besagten Satz. Als nach siebzig Minuten kein Kinski zu sehen war, dämmerte es langsam. Falscher Film, kein Kinski – das war aber egal, weil der Film trotzdem gut war. Schwarz-weiß ist sowieso toll, dazu noch Dialoge, denen man ihr Alter nicht anmerkt und hintergründige Spannung.
Ich wünschte, heute würden Filme ebenso produziert. Ohne „Special-Effects“, die so viel kosten, wie viel nicht mal zwanzig Generationen meiner Familie in ihrem ganzen Leben verdient haben. Ohne hirnrissige Stunts, hirnlose Silikonwunder und haarsträubender (Nicht-) Logik. Das nur anbei, weil ich finde, dass es Grenzen gibt, die heutzutage offenbar bewusst von Regisseuren und Drehbuchautoren ignoriert werden.
Grenzen gab es im zweiten Film von gestern Abend nicht, was aber in dem Fall ganz gut so war. Es war vielmehr ein Drama als ein Krimi- oder Action-Film und da darf es ruhig surreal werden. Zumindest, wenn sich ein Großteil des Films in der Gedankenwelt des Protagonisten bewegt, wie in „Vergiss mein nicht!“. Verträumte Bilder, schöne Musik, ein ruhiges Erzähltempo trotz der unzähligen Gedankenströme – man kann sich richtig schön einfühlen und das hat mich an diesem Film fasziniert. Sicher ist das Collagenartige erstmal gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich eingefunden hat, lässt es einen nicht mehr los. Versteckte Perlen gibt es immer, man muss sie nur finden.